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Frag Wiedemann! Die Online-Sprechstunde – Folge 8: Inkontinenz und das Trinken

Im Interview mit ACTICORE beantwortet Prof. Dr. med. Andreas Wiedemann Fragen rund um den Beckenboden. In der achten Folge geht es um das Trinken trotz Inkontinenz.

  • Prof. Dr. med. Andreas Wiedemann unterrichtet am Lehrstuhl für Geriatrie der Universität Witten/Herdecke und ist Chefarzt der Urologischen Klinik am evangelischen Krankenhaus Witten.
  • In der Interviewserie "Frag Wiedemann" beantwortet er alle Fragen zum Thema Inkontinenz und Blasenschwäche.
  • In Folge 8 geht es um das Trinken, Wasser und die den Zusammenhang mit Inkontinenz.

Trotz Inkontinenz viel Wasser trinken – oder lieber doch nicht?

 

Herr Prof. Wiedemann, viele Menschen mit Inkontinenz trinken weniger. Ist das eine Lösung?

Auf keinen Fall. Wer weniger trinkt, erzeugt einen konzentrierten Harn, der die Blase reizt und in vielen Fällen die Inkontinenz verschlimmert. 

 

Aber viel zu trinken belastet die Blase doch?

Richtig – der Mittelweg ist gefragt. Normalerweise reicht eine Urinausscheidung von rund 1,5 L pro Tag. Ich verliere zwar auch Flüssigkeit über Atemluft und Schweiß, brauche aber gar nicht mehr zu trinken, weil auch schon eine trockene Scheibe Brot und noch mehr Suppen und Joghurts usw. Flüssigkeit enthalten. 

 

Kommt es vielleicht auf die Verteilung an?

Genau. Regelmäßig über den Tag verteilt zu trinken und auf harntreibende Getränke wie Cola oder Kaffee, Tee oder Energydrinks zu verzichten, wäre hilfreich. Wer sich unsicher ist, dem hilft ein Blasentagebuch weiter: Er schreibt auf, wie viel er trinkt (pro Tag in eine rechte Spalte) und misst mit einem Messbecher auf der Toilette, wie viel Urin er produziert (linke Spalte). Daran kann man nach zwei bis drei Tagen sehen, wo der Hase im Pfeffer liegt.

Mit einer Blasenschwäche lieber gleich zu Arzt – Verschweigen ist kontraproduktiv

 

Aber trinken gehört doch auch zum Leben dazu?

Das ist richtig – umso mehr sollte es ein Ansporn sein, Inkontinenz nicht zu verschweigen und aufzugeben, sondern sich dem Hausarzt, dem Gynäkologen oder Urologen gegenüber zu äußern. Und wenn der abwiegelt (das gibt es leider auch), bitte einen anderen Ansprechpartner suchen.

 

Warum haben viele Menschen Angst vor dem Arzt?

Ich denke, weil sie einerseits befürchten, unangenehmen Untersuchungen unterzogen zu werden. Aber nicht jeder wird gleich gespiegelt – oftmals sind es kleine Dinge wie eine Urinuntersuchung auf Bakterien oder die Ultraschalluntersuchung der Blase, die schon zum Erfolg führen. Andererseits sind viele Menschen der Meinung, dass Urinverlust zum Altern dazugehört.

 

Ist das denn nicht so?

Beileibe nein! Wer sein Gewicht hält, für einen trainierten Beckenboden sorgt und bei Veränderungen des Wasserlassens oder -haltens einen Arzt aufsucht, wird auch im Alter „trocken“ sein.

 

Herr Professor Wiedemann, vielen Dank!

Sehr gerne.

  

Dieser Beitrag wurde am 20.08.2021 von ACTICORE veröffentlicht.