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Frag Wiedemann! Die Online-Sprechstunde – Folge 11: Liebeskugeln gegen Inkontinenz?

Im Interview mit ACTICORE beantwortet Prof. Dr. med. Andreas Wiedemann Fragen rund um den Beckenboden. In der elften Folge geht es um Liebeskugeln gegen Inkontinenz.

  • Prof. Dr. med. Andreas Wiedemann ist Chefarzt der Urologischen Klinik am evangelischen Krankenhaus Witten und unterrichtet am Lehrstuhl für Geriatrie der Universität Witten/Herdecke.
  • In der Interviewserie "Frag Wiedemann" beantwortet er alle Fragen zum Thema Inkontinenz und Blasenschwäche.
  • In Folge 11 geht es um Liebeskugeln gegen Inkontinenz.

Helfen Liebeskugeln gegen Inkontinenz?

 

Ich habe von meiner Freundin wegen meiner Inkontinenz Liebeskugeln zur Stärkung des Beckenbodens empfohlen bekommen – macht das Sinn?

„Liebeskugeln“ sind eher ein Hilfsmittel zur sexuellen Stimulation; allerdings wird ein Teil der Wirkung wird dadurch erzeugt, dass sich die Beckenboden- und Vaginalmuskulatur bei dem Versuch, diese zu tragen, kräftigt. Medizinische „Liebeskugeln“ sind eher „Vaginalkonen“ oder „Kegel“, die es in ansteigenden Größen und mit verschiedenen Gewichten gibt.

 

Wirklich? Kann man sich die Dinger verschreiben lassen?

Im Prinzip ja – allerdings ist die Sache so einfach nicht.

 

Warum? Jede Frau kennt sich doch mit ihrem Körper aus?

Nun ja, erst einmal sollte doch ärztlicherseits geklärt werden, welche Inkontinenzform vorliegt und ob es behandelbare Ursachen wie z. B. Harnwegsinfekte gibt. Außerdem müssen – um anhaltende Effekte zu erreichen – Vaginalkonen täglich eingeführt und mehrere Stunden getragen werden. Das artet dann aus meiner Sicht eher in einen passiven Vorgang aus, der wenig Effekt zeigt. Darüber hinaus ist das Einführen häufig nach den Wechseljahren auch kein Vergnügen, die Konen müssen nach Gebrauch gesäubert und gelagert werden.

Es gibt bei Inkontinenz bessere Alternativen als Liebeskugeln – auch für Männer

 

Gäbe es Alternativen?

Man kann natürlich eine Kräftigung des Beckenbodens und damit positive Effekte auf ein Kontinenzproblem und auch auf das Sexualleben anders erzielen. So gibt es Beckenbodentrainingsgeräte, die – mit der gleichen Problematik – mit vaginalen oder rektalen Elektroden arbeiten oder vom Damm aus. Dieses hat aus meiner Sicht viele Vorteile, denn je geringer der Aufwand ist, desto häufiger wird auch tatsächlich geübt. Wenn ich mich zum Sport erst umkleiden und zwanzig Kilometer in den Wald mit dem Bus fahren muss, werde ich nicht so häufig üben, als wenn ich mir die Turnschuhe anziehe und von der Haustüre loslaufe. 

 

Gibt es solche Trainingsgeräte auch für Männer?

Gerade für Männer ist das Üben vom Damm aus wichtig, denn – ganz banal – ihnen fehlt die Scheide als Zugang zum Beckenboden. Also wenn ein Mann eine Visualisierung seiner Beckenbodenaktionen dargestellt bekommt, ist das schon alleine deswegen sinnvoll, weil viele Männer mit dieser Muskelgruppe gar nichts anfangen können.

 

Herr Prof. Wiedemann, danke fürs Gespräch!

Aber gerne doch.

 

  

Dieser Beitrag wurde am 25.11.2021 von ACTICORE veröffentlicht.